Eine Stammfunktion einer Funktion ergibt abgeleitet wieder die ursprüngliche Funktion .
Das unbestimmte Integral ergibt alle Stammfunktionen der Funktion .
Um es zu lösen, kannst du auf Integraltabellen, die Rechenregeln für Integrale und fortgeschrittene Integrationsmethoden wie beispielsweise die partielle Integration und Substitution zurückgreifen.

Häufig vorkommende Stammfunktionen kannst du dir aus Integraltabellen merken.
Wichtige Stammfunktionen
Funktionsart | Stammfunktion von | |
|---|---|---|
mit | ||
Weitere (in der Schule nicht gebräuchliche) Stammfunktionen
Funktion | Stammfunktion von |
|---|---|
mit |
Weitere Stammfunktionen kannst du ausführlicheren Integraltabellen entnehmen.
Hinweis: Eine Funktion hat nicht nur eine, sondern unendlich viele Stammfunktionen. Dies wird durch die Konstante verdeutlicht. So ist beispielsweise
zwar eine Stammfunktion von , aber genauso ist auch
eine weitere Stammfunktion. Mehr Erläuterungen findest du im Artikel zu Stammfunktionen.
Beispiele
Wir suchen die Stammfunktion der Funktion .
Lösung:
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Gesucht sind alle Stammfunktionen der Funktion . Aus der Tabelle von oben können wir ablesen, dass die Stammfunktionen sind.
Dies können wir auch überprüfen, indem wir ableiten. Wenn unsere Lösung stimmt, entspricht die Ableitung der Funktion : , weil die Ableitung vom Kosinus den negativen Sinus ergibt: .
Wir wollen die Stammfunktionen der Funktion finden.
Lösung:
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Wir suchen die Stammfunktionen der Funktion . Hierfür wenden wir die in der oberen Tabelle angegebene Regel an:
Laut dieser sind die Stammfunktionen einer Potenzfunktion der Form gegeben durch: .
In unserem Fall ist und . Mit der Regel können wir die Stammfunktionen unserer Funktion angeben:
Rechenregeln für Integrale
Summenregel
Beispiel 1
Der Integrand ist . Er besteht also aus zwei Funktionen und , die durch ein Plus verknüpft sind. Daher darfst du dieses Integral in zwei einzelne Integrale aufsplitten und anschließend einzeln integrieren. Hierfür kannst du die Regeln aus den oberen Tabellen verwenden.
Beispiel 2
Auch dieses Integral darfst du auf zwei Integrale aufteilen, weil der Integrand eine Differenz aus zwei Funktionen ist.
Vorsicht!
Dieses Integral darfst du hingegen nicht zu aufsplitten, weil der Integrand ein Produkt zweier Funktionen ist und keine Summe.
Faktorregel
Beispiel
Der Integrand besteht aus , der mit dem konstanten Faktor multipliziert wird. Weil die eine reelle Zahl ist, dürfen wir sie vor das Integral ziehen. Die Stammfunktion von kannst du der oberen Tabelle entnehmen.
Vorsicht!
Hier wird die Funktion mit multipliziert. ist kein konstanter Vorfaktor. Deshalb darfst du nicht schreiben: .
Beispiele
Wir wollen das unbestimmte Integral berechnen.
Lösung:
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Wir wollen das unbestimmte Integral berechnen. In der dritten Zeile der ersten Tabelle finden wir, dass die Stammfunktionen hat.
Wir dürfen konstante Multiplikationsfaktoren, wie in unserem Beispiel, die vor das Integral ziehen: .
Weil wir aus der Tabelle entnommen haben, dass ist, können wir nun auch die Stammfunktionen von angeben:
Berechne das unbestimmte Integral
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Wir dürfen Summen und Differenzen im Integral zu mehreren Integralen aufsplitten:
Nun können wir auf jedes Glied einzeln die Integrationsregel für Potenzfunktionen aus der Tabelle oben anwenden. Für das erste Glied ist und . Für das zweite Glied ist und . Nun können wir die Integrale lösen:
Wir brauchen nur eine Konstante , weil die zwei Integrale und aus einem Integral, nämlich entstehen. Wir fassen nun zusammen:
Die Stammfunktionen von lauten also:
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Nutzung von bekannten Ableitungen
Wir überlegen uns also als ersten Schritt, ob die Funktion die Ableitung irgendeiner Funktion ist, die wir kennen. Denn dann können wir uns zunutze machen, dass die Ableitung der Stammfunktion immer die Funktion selbst ergibt:
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Beispiel 1:
Wir wollen das unbestimmte Integral berechnen. Nun fällt uns auf, dass ja die Ableitung von ist, also . Damit wissen wir nun die Stammfunktion von , da die Ableitung die Umkehrung der Integration ist:
Beispiel 2:
Wir sollen das unbestimmte Integral berechnen. Wir überlegen uns dafür, welche Funktion man ableiten muss, damit man erhält. Hier fällt uns ein, denn wenn wir ableiten, erhalten wir . Damit ist eine Stammfunktion von . Also:
Hinweis: Das unbestimmte Integral kannst du auch mithilfe der oberen Integraltabelle berechnen. Hier findest du heraus, dass die Stammfunktionen von einer Potenzfunktion der Form (in unserem Fall ist und ) sind, also in unserem Fall:
Geschicktes Raten
Außerdem kannst du versuchen, die gesuchte Stammfunktion der Funktion geschickt zu erraten. Zur Überprüfung deiner Vermutung leitest du die Stammfunktion ab - entspricht die Ableitung der Funktion war deine Vermutung richtig. Ansonsten kannst du die Vermutung ergänzen, bis das Ergebnis stimmt.
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Wir wollen das Integral durch Raten bestimmen.
Wir beginnen mit einer ersten geratenen Vermutung: . Wir überprüfen diese, indem wir mit der Kettenregel ableiten: . Das entspricht nicht der Funktion .
Um schneller zur Lösung zu kommen, überlegen wir uns anhand unserer ersten Vermutung Folgendes: Unsere gesuchte Stammfunktion muss die -Funktion enthalten, denn diese ergibt abgeleitet sich selbst. Als wir unsere erste Vermutung abgeleitet haben, haben wir die Kettenregel angewendet. Dadurch bleibt die -Funktion mit ihrem gesamten Exponenten auch in der Ableitungsfunktion erhalten: Auch hier hatten wir wieder das Glied . Also muss unsere Stammfunktion auf jeden Fall enthalten. Testen wir es!
Zweite Vermutung: . Wir bilden die Ableitung mit der Kettenregel: . Wir haben die Stammfunktion gefunden!
Graphische Integration
Manchmal ist nur der Graph der Funktion gegeben, zu dem du eine zugehörige Stammfunktion skizzieren sollst. Wenn kein Funktionsterm angegeben ist, ist keine Rechnung verlangt. In diesem Fall kannst du dir die Stammfunktion abschnittsweise graphisch überlegen. Hierbei helfen dir die folgenden Zusammenhänge:
Eigenschaften des Graphen von | daraus folgende Eigenschaften des Graphen von |
|---|---|
verläuft oberhalb der x-Achse | steigt |
verläuft unterhalb der x-Achse | fällt |
hat eine Nullstelle mit Vorzeichenwechsel von - zu + | hat an dieser Stelle einen Tiefpunkt |
hat eine Nullstelle mit Vorzeichenwechsel von + zu - | hat an dieser Stelle einen Hochpunkt |
hat eine Nullstelle ohne Vorzeichenwechsel | hat an dieser Stelle einen Terrassenpunkt |
hat einen Extrempunkt | hat an dieser Stelle einen Wendepunkt |
fällt | ist rechtsgekrümmt |
steigt | ist linksgekrümmt |
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Alle in der Tabelle aufgeführten Merkregeln ergeben sich aus dem Zusammenhang zwischen einer Funktion und ihrer Ableitung. Die Stammfunktion ergibt abgeleitet die Funktion . Damit ist die Ableitungsfunktion der Stammfunktion:
Warum steigt/fällt , wenn oberhalb/unterhalb der -Achse verläuft?
- Wenn in einem bestimmten Intervall steigt, bedeutet dies, dass in diesem Bereich eine positive Steigung hat. Deshalb liefert die Ableitung positive Werte. Aus diesem Grund liegt in diesem Bereich oberhalb der -Achse.
- Umgekehrt: Wenn in einem bestimmten Intervall fällt, bedeutet dies, dass in diesem Bereich eine negative Steigung hat. Deshalb liefert die Ableitung negative Werte. Aus diesem Grund liegt in diesem Bereich unterhalb der -Achse.
Warum hat ein Extremum oder einen Terrassenpunkt, wenn eine Nullstelle hat?
- An Extremstellen von ist die Steigung Null. An diesen Stellen ist daher auch die Ableitung Null: . Die Funktion hat daher an diesen Stellen eine Nullstelle.
- Bei Tiefpunkten von fällt zunächst so lange, bis der Tiefpunkt erreicht ist und steigt anschließend wieder an. In dem fallenden Bereich hat eine negative Steigung. Hier liegt daher im negativen Bereich, also unterhalb der -Achse. Im steigenden Bereich nach dem Tiefpunkt hat eine positive Steigung. Deshalb liegt hier oberhalb der -Achse. verläuft also zunächst im negativen und nach dem Tiefpunkt im positiven Bereich. Die Nullstelle von hat deswegen einen Vorzeichenwechsel von - zu +.
- Umgekehrt: Bei Hochpunkten von steigt zunächst und fällt anschließend. verläuft also zunächst im positiven und nach dem Hochpunkt im negativen Bereich. Die Nullstelle von hat deswegen einen Vorzeichenwechsel von + zu -.
- Bei Terrassenpunkten von ist die Steigung ebenfalls Null, weshalb auch hier eine Nullstelle hat. An Terrassenpunkten ändert sich das Steigungsverhalten von jedoch nicht, weshalb auch die Nullstelle von hier keinen Vorzeichenwechsel hat.
Warum kann ich am Steigungsverhalten von ablesen, wie das Krümmungsverhalten von ist?
- An Wendepunkten von ist die zweite Ableitung Null: . Weil gilt, können wir statt auch schreiben. An Wendepunkten von ist also die Ableitung von gleich null. Dies ist an Extremstellen von der Fall. Deshalb hat Extremstellen dort, wo Wendepunkte besitzt.
- In Bereichen, in denen rechtsgekrümmt ist, gilt bzw. . Das bedeutet, dass hier eine negative Steigung aufweist, also fällt.
- In Bereichen, in denen linksgekrümmt ist, gilt bzw. . Das bedeutet, dass hier eine positive Steigung aufweist, also steigt.
{
"src": "https://www.youtube.com/watch?v=NmYPOM9OLM4",
"alt": ""
}Beispiel
Skizziere eine Stammfunktion von .

Wir teilen uns die Funktion gedanklich in Abschnitte ein, zum Beispiel wo steigt, fällt und Extrema hat. Aus der obigen Tabelle lesen wir anschließend ab, welche Eigenschaften die Stammfunktion dann in diesem Abschnitt haben muss.
Abschnitt | Eigenschaften von | Eigenschaften der Stammfunktion von |
|---|---|---|
steigt | ist linksgekrümmt | |
hat hier einen Hochpunkt | hat hier einen Wendepunkt | |
hat hier eine Nullstelle ohne Vorzeichenwechsel | hat hier einen Terrassenpunkt | |
fällt | ist in diesem Bereich rechtsgekrümmt | |
hat hier einen Tiefpunkt | hat an dieser Stelle einen Wendepunkt | |
steigt | ist in diesem Bereich linksgekrümmt | |
hat eine Nullstelle mit Vorzeichenwechsel von - zu + | hat an dieser Stelle einen Tiefpunkt | |
verläuft unterhalb der x-Achse | fällt | |
verläuft oberhalb der x-Achse | steigt |
Mithilfe dieser Tabelle können wir nun die Stammfunktion in das Koordinatensystem skizzieren:

Hinweis: Zu einer Funktion gibt es nicht nur eine, sondern unendlich viele Stammfunktionen. Diese unterscheiden sich nur durch die Addition der Integrationskonstante . Graphisch gesehen kann der Funktionsgraph der Stammfunktion also beliebig nach oben und unten (d.h. in -Richtung) verschoben werden. Die oben eingezeichnete Stammfunktion stellt also nur eine mögliche Lösung dar. Genauso ist z.B. diese Funktion eine Stammfunktion von :

Diese ergibt sich, wenn man die obere Funktion um Einheiten nach unten verschiebt. Sie ist eine gleichwertige Lösung.
Fortgeschrittene Integrationsmethoden
Des Weiteren stehen fortgeschrittene, in der Schule selten benötigte, Integrationsmethoden wie die partielle Integration, die Substitution oder die Partialbruchzerlegung zur Verfügung. Mit diesen lassen sich auch kompliziertere Integrale oft lösen.
Partielle Integration
Mit der obenstehenden Formel kann das Integral umgeformt werden, sodass nun die Ableitung von , sowie die Aufleitung von im "neuen" Integral stehen. Zielführend ist die partielle Integration daher nur dann, wenn sich beim Ableiten und beim Aufleiten vereinfachen. Mehr Informationen findest du in dem Artikel zur partiellen Integration.
Substitution
Ein Beispiel hierfür wäre . In diesem Fall ersetzt man die innere Funktion durch die Substitutionsvariable , also . Um auch das Differential an die neue Variable anzupassen, leitet man nach ab: . Nun löst man diesen Bruch nach auf, also und ersetzt im Integral hierdurch. Anschließend kann ganz "normal" integriert und zum Schluss rücksubstituiert werden. Mehr Informationen findest du im Artikel zur Integration durch Substitution.
Bemerkung
Wir behandeln so, als wäre es ein Bruch (z.B. weil wir nach auflösen), obwohl es sich hierbei um die sogenannte Leibniz-Notation der Ableitung - also einfach eine andere Schreibweise der Ableitung - handelt.
Der Missbrauch dieser Notation als Bruch ist mathematisch nicht einwandfrei, sondern dient allein als Merkregel zur Veranschaulichung der Rechenschritte. Es lässt sich allerdings vielfach beweisen, dass die eigentlich inkorrekte Rechnung mit als Bruch dennoch die richtigen Ergebnisse liefert.
Logarithmische Integration
Beispiel
Genaueres findest du ebenfalls im Artikel zur Integration durch Substitution.
Partialbruchzerlegung
Beispiel
Genauere Erklärungen findest du im Artikel zur Partialbruchzerlegung.
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Grundsätzlich besitzt jede stetige Funktion eine Stammfunktion. Es gibt allerdings Funktionen, deren Stammfunktionen sich nicht durch elementare Funktionen, wie Potenz-, Wurzel-, Logarithmus- und Exponentialfunktionen, darstellen lassen. Diese Funktionen nennt man nicht geschlossen integrierbar.
Beispiel
Wir betrachten die Funktion . Diese spielt in der Mathematik durchaus eine wichtige Rolle, beispielsweise als Normalverteilung.
Graphisch lässt sich zu dieser Funktion tatsächlich eine Stammfunktion skizzieren. Allerdings lässt sich diese Funktion nicht als Kombination elementarer Funktionen darstellen - es lässt sich beweisen, dass die Stammfunktion von nicht geschlossen integrierbar ist. Interessierte finden hier den Beweis.