Zum Inhalt springen

Serlo-Content · Eigenes Frontend

/deutsch/214562/renaissance-humanismus-reformation-erlebe-zusammen-mit-till-eulenspiegel-lustige-abenteuer

Wir laden die Inhalte direkt von der Serlo API und rendern sie mit unserem UI.

Artikel

Renaissance, Humanismus, Reformation - Erlebe zusammen mit Till Eulenspiegel lustige Abenteuer!

/deutsch/214562/renaissance-humanismus-reformation-erlebe-zusammen-mit-till-eulenspiegel-lustige-abenteuer

Renaissance, Humanismus und Reformation (um 1350 - 1600) sind wichtige Epochen in der (Literatur-)Geschichte.

Lerne hier den geschichtlichen Hintergrund, die literarischen Merkmale und bekannte Werke wie den Ackermann aus Böhmen und Till Eulenspiegel kennen!

Renaissance, Humanismus, Reformation - Die Epochen kurz vorgestellt

Bild
Zeitstrahl der literarischen Epochen (eigene Abbildung)

Historischer Hintergrund

Die Epoche der Renaissance, des Humanismus und der Reformation ist eine Zeit der sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Umbrüche. Die Habsburger besteigen den Kaiserthron und werden international so mächtig wie nie zuvor, da sie durch Heirat und Erbschaft in den Besitz weiterer Gebiete (z.B. Burgund, Niederlande und Spanien) kommen.

Doch Kaisertum und Papsttum verlieren schließlich ihre Vormachtstellung und der Einfluss der Fürstenhöfe wächst. Städte werden gegründet, in denen unterschiedliche soziale Schichten eng beieinander leben.

Die Reformation sowie Bauernaufstände und Gegenreformation heizen die bereits bestehenden religiösen und politischen Konflikte weiter an und führen später zum Dreißigjährigen Krieg (1618-1648).

Ferdinand Pauwels: Luther hammers his 95 theses to the door
Martin Luther

Literarische Merkmale und Entwicklungen

Eine Reihe von Entwicklungen trägt zu der Verbreitung der Lesekultur, vor allem im Bürgertum, bei: Statt des teuren Pergaments gibt es nun das günstigere Papier, das sich besser für die Fülle an Schriften, Handzetteln und Büchern eignet. Die erste Papiermühle entsteht 1390. Auch die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern (Buchstaben) 1440 durch Johannes Gutenberg trägt zu einer raschen Vervielfältigung und Verbreitung von Schriftstücken bei. Neben den klösterlichen Bibliotheken gibt es inzwischen auch städtische und fürstliche. Insgesamt befinden sich die literarischen Zentren nun an den Fürstenhöfen. Die schon im Mittelalter gängigen Gattungen werden weitergeführt und ergänzt um Drama, Satire, Kirchenlied, Tendenz- und Streitdichtung (Dichtung zum Zweck des kritischen Austauschs), Volksbuch (Veröffentlichung der Lieblingslektüre der Bürgerlichen), Volkslied (ähnlich den mittelalterl. Minneliedern, aber von den Bürgerlichen übernommen und im Laufe der Überlieferung anonym geworden), Fastnachtsspiel (komische Burleske (derbe Komödie)) und städtischen Meistersang (bürgerliche Kopie des mittelalterl. Minnesangs 1450 entsteht die erste städtische Singschule in Augsburg).

Die in der mittelhochdeutschen Zeit entstandene erste überregionale deutsche Schriftsprache hat ihre Bedeutung wieder verloren. Doch vor allem Martin Luthers Bibelübersetzung, fürstliche Kanzleien (Verwaltungen) und die Erfindung des Buchdrucks treiben die weitere Vereinheitlichung der Sprache voran. Allerdings bleibt Latein bis zum 18. Jahrhundert weiterhin die Sprache von Schule, Wissenschaft und Kirche.

Lyrik

In der Lyrik ist das Volkslied sehr beliebt, es erinnert in seinen Grundzügen aber an die niedere Minne des Mittelalters. Außerdem entstehen zahlreiche Kirchenlieder, wobei in diesem Zusammenhang vor allem Martin Luther zu nennen ist, der dutzende Kirchenlieder in deutscher Sprache verfasste und auf die Weise zahlreichen Menschen den Zugang und die aktive Beteiligung am Gottesdienst ermöglichte.

Darüber hinaus entwickelte sich der Meistergesang zu einer verbreiteten lyrischen Form. Solche Meistergesänge hatten biblische und dabei belehrende Inhalte und fußten meist auf einer ungeraden Anzahl von Strophen.

Epik

In der Epik kommt vor allem die Konzentration auf den Menschen zum Vorschein. So sind Volkbücher sehr populär. Volksbücher beinhalten alte Geschichten, volkstümliche Sagen, märchenhafte Legenden, romantische Abenteuer sowie Schwänke jeglicher Art. (Ein Schwank ist eine kurze und lustige Erzählung aus dem Volklsleben).

Bekannt sind hierbei vor allem die Erzählungen rund um den Narren Till Eulenspiegel.

Verbreitet waren außerdem Abenteuer-, Helden- sowie Ritteromane und auch Schriften, die sich der Narrenliteratur zuordnen lassen und kurze Erzählungen, wie Fabel oder Streitgespräch.

Darüber hinaus findet sich in der Renaissance-Epik eine zunehmende Kritik an der Kirche.

Dramatik

Die humanistischen Dramatiker besannen sich auf antike Formen und stellte dabei die Freiheit des einzelnen Menschen in den Vordergrund. Dieser Mensch hob sich aufgrund seiner Vernunft vom Tierreich ab. Vordergründig wird das Handeln des Einzelnen sowie das Schicksal einzelner Menschen dargestellt.

Den humanistischen Grundgedanken – nämlich die Bildung des Menschen – finden wir vor allem im Fastnachtspiel. Dieses wollte den Menschen belehren und verpackte zumeist ernste Themen in eine komödiantische, bisweilen auch fast alberne, Handlung.

Luther-Schrift, 1532
Martin Luther: Psalm 147

Beispiele für Autoren und Texte

Details anzeigen

Johannes von Tepl oder auch Johannes von Saaz und Johannes Henslini de Sitbor wurde um 1350 vermutlich in Tepl (Teplá, Tschechien) geboren und war der Sohn eines westböhmischen Pfarrers. Nach seinem Studium in Prag oder Paris arbeitete er ab etwa 1378 als Notar in Saaz und ab 1383 als Leiter der dortigen Lateinschule. 1411 wurde er schließlich Stadtschreiber in Prag.

1400/1401 verfasst von Tepl zum Anlass des Todes seiner Frau, den Ackermann aus Böhmen, ein Streitgespräch zwischen einem Menschen, dem Ackermann, und der Personifikation (vermenschlichten Darstellung) des Todes. In 32 Reden und Gegenreden streiten sich Ackermann und Tod um den Tod der Frau des Ackermanns. Voll Schmerz und doch furchtlos klagt der Ackermann über den Tod seiner geliebten Frau, während der Tod überheblich und distanziert bleibt. Im 33. Kapitel schließlich spricht Gott das entscheidende Urteil, das beiden Seiten Recht zuspricht: dem Ackermann den Anspruch auf menschliche Würde und dem Tod die Macht über das Lebensende. Den Abschluss bildet ein Gebet des Ackermanns, das noch an die Gläubigkeit des Mittelalters anknüpft. Gleichzeitig jedoch ist die Auflehnung des Ackermanns/Menschen gegen sein Schicksal (den Tod) bereits ein Zeichen für die neue renaissancehafte Geisteshaltung.

Das Werk wird der neuen Kunstprosa des Prager Frühhumanismus zugeordnet und hatte Einfluss bis ins 16. Jahrhundert hinein.

Codex Palatinus germanicus 76, Blatt 2r - Johannes von Tepl: Der Ackermann aus Böhmen - Der Ackermann klagt den Tod an
Johannes von Templ: Der Ackermann aus Böhmen
Details anzeigen

Das erste bekannte Buch, das Volksbuch, über Till Eulenspiegel stammt etwa aus dem Jahr 1515. Es erschien damals beim Buchdrucker Johannes Grüninger aus Straßburg. Es ist nicht bekannt, wer es geschrieben hat. Man vermutet, dass es Hermann Bote gewesen sein könnte, der in Braunschweig als Beamter arbeitete.

Bild
"Von Ulenspiegel": Buchseite von 1515

Im Buch, das man heute Volksbuch nennt, stehen 95 Geschichten. In den Geschichten geht es um die Erlebnisse Eulenspiegels, der laut dem Voksbuch aus dem heutigen Niedersachsen stammt und um das Jahr 1300 gelebt hat: Till Eulenspiegel reist viel herum, nimmt verschiedene Berufe an und spielt den Menschen, denen er begegnet und die oft als dumm oder habgierig beschrieben werden, seine Streiche mit ihnen.

Das Buch über Till Eulenspiegel gilt als eines der bedeutendsten literarischen Werke des niedersächsischen Raumes. Die von Johannes Grüninger um 1515 publizierte Ausgabe wurde schnell zu einem Weltbestseller und wurde bereits im 16. Jahrhundert in viele europäische Sprachen übersetzt. In den folgenden Jahrhunderten und bis in die Gegenwart wurden die Geschichten immer weiter modifiziert, so dass aus dem ursprünglich derben Charakter ein immer sympathischerer Spaßvogel wurde. Insgesamt sind bis heute „Eulenspiegel“-Versionen in 280 Sprachen erschienen.

Quellen