Isomere sind chemische Verbindungen mit der gleichen Summenformel aber unterschiedlicher chemischer Struktur. Die strukturellen Unterschiede können zu unterschiedlichen chemischen, physikalischen und biologischen Eigenschaften führen.

Im Allgemeinen unterscheidet man in verschiedene Isomerie-Formen. Diese sind hier abgebildet.
Molekülbaukasten
Zum besseren Nachvollziehen der verschiedenen Isomere kannst du einen Molekülbaukasten verwenden.
Im Laufe des Artikels wirst du immer wieder diese Boxen mit einigen Tipps zum selberbauen der Moleküle finden.

Eine kurze Zusammenfassung der Eigenschaften findest du in dieser Tabelle, wenn du gerne genauere Informationen hättest findet du sie weiter unten im Artikel.

Konstitutionsisomerie
Konstitutionsisomere sind chemische Verbindungen mit derselben Summenformel, aber unterschiedlich verknüpften Atomen. Um ein Konstitutionsisomer einer Verbindung zu schaffen, muss immer mindestens eine Bindung gebrochen und neu verknüpft werden. Konstitutionsisomere unterscheiden sich also in ihrer Struktur.

Molekülbaukasten
Baue mit deinem Molekülbaukasten das Ethanol (linke Struktur) nach. Probiere nun herum wie du aus der linken Struktur die rechte Struktur erhalten kannst.
Ein Beispiel für Konstitutionsisomere ist . Diese Verbindung kann entweder mit Alkoholgruppe vorliegen, dann nennt man sie Ethanol (Trinkalkohol) oder mit Ethergruppe. Dann nennt man sie Dimethylether (Treibmittel im Haarspray).
Konstitutionsisomere unterscheiden sich in ihren physikalischen und chemischen Eigenschaften. So können Verbindungen mit der gleichen Summenformel bei Raumtemperatur in verschiedenen Aggregatzuständen vorkommen. Außerdem ist eine Verbindung für Menschen nur leicht giftig (Ethanol), die andere kann tödlich sein (Dimethylether).
Stereoisomerie

Stereoisomerie beschreibt Verbindungen mit derselben Summenformel, derselben Struktur (Konstitution), aber einer abweichenden räumlichen Anordnung der Atome. Stereoisomere können weiter unterschieden werden in Konfigurations- und Konformationsisomere.
Konformationsisomerie
Konformationsisomere unterscheiden sich nur in der räumlichen Stellung, eine Verbindung hat also dieselbe Summenformel, dieselbe Struktur und unterscheidet sich nur dadurch das eine Einfachbindung rotiert wurde.

Molekülbaukasten
Baue die linke Struktur nach, überlege wie du diese umformen musst um die rechte Struktur zu erhalten. Musst du hier eine Bindung aufbrechen? Oder kannst du die Verbindung so umformen?
Die Überführung von einem Konformationsisomer in ein anderes ist durch eine einfache Drehung und ohne Bindungsbrüche möglich. Konformationsisomere lassen sich meist nicht isolieren, da sie sich problemlos ineinander umwandeln können.
Konformationsisomere unterscheiden sich nicht in ihren chemischen und physikalischen Eigenschaften.
Konfigurationsisomerie
Konfigurationsisomerie ist etwas komplexer. Hier besitzen die Verbindungen dieselbe Summenformel, dieselbe Struktur, aber sie unterscheiden sich in ihrer räumlichen Anordnung. Im Gegensatz zu Konformationsisomeren lassen sich die Isomere aber nur durch einen Bindungsbruch ineinander überführen.
Konfigurationsisomere werden weiter unterscheiden in Enantiomere und Diastereomere. EIn Spezialfall ist außerdem noch die Cis-/Trans-Isomerie.
Enantiomerie
Enantiomere sind Konfigurationsisomere, welche sich wie Bild und Spiegelbild zueinander verhalten, aber keine Symmetriebene innerhalb des Moleküls aufweisen. Diese Eigenschaft bezeichnet man auch als Chiralität. Sie beschreibt Stoffe mit derselben Summenformel und Struktur, welche gespiegelt sind, aber nicht deckungsgleich.
Ein gutes Beispiel sind unsere Hände: Halte beide Hände mit den Handflächen nach unten vor dich. Dann siehst du, dass sie genau gleich aussehen, aber spiegelverkehrt zueinander sind. Versuchst du nun beide Hände übereinander zulegen, kannst du sie nicht zur Deckung bringen.

Molekülbaukasten
Baue die beiden oben abgebildeten Moleküle nach. Lege sie so nebeneinander, dass du dazwischen die Spiegelachse einzeichnen kannst.
Versuche danach sie so zu verdrehen, dass du sie deckungsgleich übereinander legen kannst. Was fällt dir auf?
Wie musst du eine der Strukturen verändern um zwei deckungsgleiche Moleküle zu erhalten?
Der rote Stern (*) am Kohlenstoffatom markiert dieses als "chirales Zentrum". Ein Atom ist dann chiral wenn es vier verschiedene Substituenten hat. So hat dieses Kohlenstoffatom als Substituent eine Carbonsäuregruppe (), eine Alkoholgruppe () eine Methylgruppe () und ein Wasserstoffatom ().
Wenn du die eine Struktur in die andere überführen willst, muss zunächst eine Bindung gebrochen werden.
Chirale Moleküle haben besondere Eigenschaften. Die hier abgebildete Milchsäure kann Lichtwellen drehen. Die erste Struktur dreht Wellen nach rechts (rechtsdrehende Milchsäure) während die zweite Struktur Lichtwellen nach links dreht (linksdrehende Milchsäure). Diese Eigenschaft bezeichnet man als optische Aktivität.
Enantiomere unterscheiden sich in ihrem Drehwert, sowie ihren chemischen und physiologischen Eigenschaften.
Das berühmteste Beispiel dafür ist der Contergan-Skandal. Dabei stellte sich heraus, dass ein Enantiomere eines medizinischen Wirkstoffes als Schlafmittel fungiert. Das andere Enantiomer führte jedoch zu schweren Missbildungen in Kindern.
Diastereomie
Bei Diastereomeren handelt es sich um alle Konfigurationsisomere, die keine Enantiomere sind. Diastereomere verhalten sich nicht wie Bild und Spiegelbild und besitzen mehr als ein chirales Zentrum. Die meisten Diastereomere sind chiral, allerdings kann es durch Symetrieebenen im Molekül zu Achiralität (nicht chiral) kommen.

Molekülbaukasten
Baue die D-Glucose. Überlege dir nun wie du dieses Molekül in die D-Galaktose umwandeln kannst. Bedenke dabei, dass Drehungen jeweils nur an einer einzigen Einfachbindung möglich sind.
Baue nun beide Moleküle auf und überlege, ob es eine Möglichkeit gibt eine Spiegelachse dazwischen anzubringen?
Um Diastereomere ineinander umzuwandeln, muss mindestens eine Bindung gebrochen werden. Diastereomere unterscheiden sich in ihren physikalischen und chemischen Eigenschaften.
Bei der Glucose handelt es sich beispielsweise um den handelsüblichen Traubenzucker (Dextrose). Bei Galactose handelt es sich um einen deutlich weniger süßen Zucker, welcher unter anderem in Muttermilch vorkommt.
Cis/trans-Isomerie
Die cis/trans-Isomerie ist eine spezielle Form der Konfigurationsisomerie. Hier unterscheiden sich Isomere nur in der Stellung zweier Substituenten zueinander. Stehen sie auf der gleichen Seite, nennt man das cis- (oder Z-) Anordnung. Stehen sie sich gegenüber bezeichnet man das an trans- (oder E-) Anordnung.

Molekülbaukasten
Baue die Maleinsäure nach. Probiere nun aus, was du tun musst, um aus der Maleinsäure, Fumarsäure zu erhalten.
Auch diese Isomere können nur durch Bindungsbruch ineinander übergeführt werden. Das liegt auch daran, dass Doppelbindungen nicht gedreht werden können.
Auch cis/trans-Isomere unterscheiden sich in ihren physikalischen und chemischen Eigenschaften.
Maleinsäure bildet bei Raumtemperatur beispielsweise farblose Kristalle, welche säuerlich riechen, während Fumarsäure weiße, geruchlose Kristalle bildet.
Zusammenfassung

Eingebetteter Serlo-Inhalt
Quellen
- https://de.wikipedia.org/wiki/Isomerie
- Wollrab, Adalbert (1999) Organische Chemie- Eine Einführung für Lehramts- und Nebenfachstudenten.