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Realismus - Erkenne das Schöne im Alltäglichen!

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Der Realismus (um 1848-1890) ist eine wichtige Epoche in der Literaturgeschichte.

In dieser Epoche spielte die Hinwendung zur Wirklichkeit eine große Rolle. Wir verraten dir, was der Realismus genau ist, und welche Merkmale sie auszeichnen.

"Ende eines Arbeitstages" von Jules Breton
"Ende eines Arbeitstages" von Jules Breton

Realismus - die Epoche kurz vorgestellt

Zeitstrahl der literarischen Epochen
Zeitstrahl der literarischen Epochen

Historischer Hintergrund

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es viele gesellschaftliche, wirtschaftliche und technische Entwicklungen, die die Lebenswelt der Menschen stark veränderten. Diese waren vor allem von der Märzrevolution von 1848 geprägt, die eine Demokratisierung der politischen Herrschaftssysteme, die Schaffung von Nationalstaaten und eine Neuordnung der Sozialverfassungen gefordert hatte. Da die Revolution jedoch gescheitert war und das politische Mitspracherecht, das sich die Bevölkerung erhofft hatte, ausblieb, musste die Rolle des Einzelnen neu definiert werden. Wissenschaftliche und philosophische Erkenntnisse, wie das christliche Weltbild oder die Ständegesellschaft, wurden infrage gestellt. Zudem veränderte die fortschreitende Industrialisierung die Arbeitswelt.

Wichtige Veränderungen im 19. Jahrhundert waren:

  • Industrialisierung
  • Arbeitslosigkeit
  • Verstädterung
  • Herausbildung einer Arbeiterschicht, dem sogenannten Proletariat
  • Ständegesellschaft und Großfamilie werden unwichtiger
  • Darwins Evolutionstheorie wird veröffentlicht

Vor diesem Hintergrund entwickelte sich das Bedürfnis einer sachlich-nüchternen Betrachtung der Gegenwart.

Themen und Merkmale des Realismus

Die Autoren und Autorinnen rückten den einzelnen Menschen - meist Kaufleute, Bauern oder Handwerker - in den Mittelpunkt und stellten die Auswirkungen der gesellschaftlichen Gegebenheiten auf des Leben des Einzelnen kommentarlos und wertfrei dar. Die großen politischen und gesellschaftlichen Themen und Probleme wurden vermieden.

Stattdessen waren zwei Tendenzen besonders ausgeprägt:

  • Regionalismus, der sich mit den Menschen und ihrer Heimat beschäftigte
  • Historismus, der sich mit der Vergangenheit befasste und eine wirklichkeitsgetreue Schilderung ermöglichte

Die Epoche des Realismus ist, wie der Name schon sagt, geprägt von Werken, die versuchen, möglichst nah an der Wirklichkeit zu sein. Allerdings stellten die Autoren und Autorinnen trotzdem nicht alles komplett neutral dar. Sie versuchten vielmehr, im Alltäglichen das Schöne zu entdecken. Das taten sie, indem sie sich ein spezielles Detail, wie einen bestimmten Gegenstand, heraussuchten und den dann genauer beschrieben. Durch diese genaue Beschreibung und Überzeichnung machten sie aus gewöhnlichen Gegenständen etwas Besonderes. Deswegen nennt man den Realismus auch poetischen Realismus nennen.

In den Werken wurde absichtlich eine einfache Sprache genutzt, damit die meisten Leser und Leserinnen die Symbolik verstanden und sich ein eigenes Bild machen konnten. Sie benutzten also eine einfache, klare Sprache, um das Leben einer Figur möglichst neutral zu beschreiben, aber schmückten einige Details aus. Kritik wurde nur indirekt geäußert und ein endgültiges Urteil blieb den Lesern überlassen.

Es gab aber auch humorvolle Erzählungen, mit dem Kritik durch Ironie und Satire etwas nachdrücklicher dargestellt wurde. Durch Humor schafften es die Autoren, auch die weniger schönen Seiten des Lebens mit einem gewissen Abstand zu betrachten und Missstände etwas direkter zu kritisieren. Ein sehr bekanntes Beispiel für eine satirische Erzählung ist die Bildergeschichte „Max und Moritz“ von Wilhelm Busch.

Literatur des Realismus

Die Autoren und Autorinnen des Realismus hatten das Ziel, das Alltägliche besonders zu machen, indem sie es poetisierten und ästhetisierten. Wie in den meisten anderen Literaturepochen auch, gab es Literaturformen, mit denen sich die Ideen der Zeit besonders gut umsetzen ließen.

Lyrik

Insgesamt löste sich die Lyrik des Realismus von der überladenen Metaphorik der Romantik, um sich der Alltagssprache anzunähern. Demnach verwendeten die Dichter und Dichterinnen dieser Zeit eine zwar künstlerische, aber schlichte Sprache.

Verbreitet war vor allem das Dinggedicht, das einen Gegenstand beschreibt. Eines der bekanntesten Dinggedichte ist das Gedicht "Der Panther" von Rainer Maria Rilke.

Epik

Die Epik war die wichtigste literarische Gattung des Realismus. Beliebte epische Literaturformen waren vor allem Romane und Novellen, da sie einerseits den Raum bieten, die Lebensumstände der Figuren ausführlich darzustellen, andererseits aber auch eine erzählerische Distanz möglich machten. Besonders beliebt waren Entwicklungsromane, Gesellschaftsromane und Historische Romane.

Darüber hinaus waren auch die Reiseliteratur und die Dorfgeschichte verbreitete epische Literaturformen zur Zeit des Realismus. Die Reiseliteratur ermöglichte es Orte möglichst objektiv zu schildern, in der Dorfgeschichte wiederum konnte der Autor oder die Autorin den Fokus auf das Individuum und seine Probleme lenken.

Dramatik

Auch wenn in der Epoche des Realismus einige bedeutende Dramen entstanden sind, wie zum Beispiel "Maria Magdalene" und "Judith" von Friedrich Hebbel, spielte die literarische Gattung der Dramatik in dieser Zeit insgesamt nur eine vergleichsweise kleine Rolle. Die Dramen stellten nicht so sehr den Einzelnen in den Vordergrund, sondern eher die Beziehung des Menschen zur Gesellschaft, was eigentlich nicht der Idee des Realismus entsprach.

Beispiele für Autoren und Werke

  • Theodor Fontane (1819-1898), z.B. "Effie Briest" (1884/85) und "Irrungen, Wirrungen" (1888)
  • Wilhelm Busch (1832-1908): "Max und Moritz" (1865)
  • Theodor Storm (1817-1888), z.B. "Der Schimmelreiter" (1888)
  • Friedrich Hebbel (1813-1863), z.B. "Maria Magdalene" (1843) und "Judith" (1840)
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Der Schriftsteller Theodor Fontane war ein besonders bedeutender Vertreter der realistischen Literatur und einer der ersten, der mit "Effi Briest" einen deutschen Gesellschaftsroman schrieb. Fontane erkennt in seinen Werken die untergeordnete Rolle der Frauen in der Gesellschaft jener Zeit. Ihre Geschichten erzählt er mit viel Empathie. Dennoch sind es auch bei Fontane die Frauen, die am Ende nahezu immer verlieren.

Von herausragender literarischer Bedeutung sind darüber hinaus Fontanes Balladen wie "John Maynard" (1886).

Theodor Fontane
Theodor Fontane (1819 -1898)
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Max und Moritz – Eine Bubengeschichte in sieben Streichen” (1865) ist ein Frühwerk des bekannten deutschen Dichters und Zeichners Wilhelm Busch. Diese Bildergeschichte ist ein wunderschönes Kinderbuch, das die Missetaten zweier Tunichtgute, Max und Moritz, in sieben Streichen erzählt. Diese Jungen nutzen ihre Schlauheit und Skrupellosigkeit, um verschiedenen Dorfbewohnern Schaden zuzufügen.

Berühmte Reime aus der Geschichte, wie "Aber wehe, wehe, wehe / Wenn ich auf das Ende sehe!", "Dieses war der erste Streich, doch der zweite folgt sogleich" und "Gott sei Dank! Nun ist’s vorbei / Mit der Übeltäterei!", haben sich im deutschen Sprachgebrauch als geflügelte Worte entwickelt. "Max und Moritz" gehört zu den meistverkauften Kinderbüchern und wurde in über 300 Sprachen und Dialekte übersetzt.

Max und Moritz bereiten den fünften Streich vor
Max und Moritz bereiten den fünften Streich vor

Quellen