Der Sturm und Drang (um 1765-1785)ist eine wichtige Literaturströmung in der Literaturgeschichte. Der Sturm und Drang war eine Jugendbewegung. Die Stürmer und Dränger lehnten sich gegen ihre Vätergeneration auf und wandten sich gegen Autorität und Tradition.

Sturm und Drang - Die Literaturströmung kurz vorgestellt
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Der Sturm und Drang (ca. 1765–1785) fällt in die Epoche der Aufklärung.
Sie steht in engem Zusammenhang mit der Empfindsamkeit (ab ca. 1720). Daher kannst du an der Strömung des Sturm und Drang sehr anschaulich sehen, wie eng die einzelnen Literaturepochen miteinander verwoben sind. Sie folgen nicht in einem abrupten Wechsel und enden von einem auf den anderen Tag, sondern gehen oft fließend ineinander über, beeinflussen oder bedingen sich gegenseitig und verlaufen parallel zueinander. Um die Gedankenwelt des Sturm und Drang sowie die Merkmale des Sturm und Drangs zu verstehen, musst du die Epoche also immer im Zusammenhang mit der Aufklärung sehen.

Historischer Hintergrund
Die Literaturströmung Sturm und Drang entstand als Gegenbewegung zur Aufklärung, die damals die Werte vorgab. Die Aufklärung sah die Vernunft und die Moral als die höchsten Tugenden. Die Literatur sollte nach dem Verständnis der Aufklärung klaren Richtlinien folgen, damit diese Ideale an ihre Leserschaft weitergegeben wurden.
Der Sturm und Drang rebellierte gegen die Ideale der Aufklärung. Die überwiegend jungen Autoren lehnten nämlich die Vernunft als höchstes Gut ab, stattdessen setzten sie ihren Fokus auf ihre Emotionen und Fantasie. Mit ihrer Protestbewegung richteten sie sich außerdem gegen die absolutistischen Obrigkeiten, das Bürgertum mit seinen veralteten Moralvorstellungen, und die Literaturtradition.
Motive und Themen des Sturm und Drang
Autor*innen des Sturm und Drang rebellierten gegen die Rationalität der Aufklärung. Sie protestierten zudem gegen die steife Verwendung von Sprache, indem die Schreibenden Emotionalität in ihre Werke einfließen ließen und mit den gängigen Regeln und Konventionen bewusst brachen.
Die grundlegenden Themen und Motive der Stürmer und Dränger sind:
- Geniekult
- Selbstbestimmung des Individuums
- Freiheitsgedanke
- Tragisches Heldentum
- Pantheismus (Vorstellung, dass sich Gott in der ganzen Natur manifestiert)
- Kritik an den Feudalismus
- Behandlung aktueller gesellschaftliche Probleme
- Konflikte mit der bestehenden Weltordnung
- Ausdrucksstarke Sprache
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Das Originalgenie war das Leitbild und Ideal des Sturm und Drang. Die Stürmer und Dränger sahen darin einen Menschen, der nach seinen eigenen Wünschen und Regeln lebt und sich nicht irgendwelchen Autoritäten unterordnet. Dadurch ergibt sich der starke Ich-Bezug der Stürmer und Dränger. Das Individuum und seine Emotionen stehen im Mittelpunkt.
Am deutlichsten zeigt sich der Geniekult des Sturm und Drang in Goethes Hymne "Prometheus" von 1774. In dieser Hymne wird das Genie verherrlicht, das sich von Autoritäten (hier: den Göttern) abwendet und selbstbewusst eigene Schöpfungen hervorbringt. In "Prometheus" heißt es:
Ich kenn nichts Ärmeres
unter der Sonn als euch, Götter
[...]
Hier sitz ich, forme Menschen
Nach meinem Bilde,
Ein Geschlecht das mir gleich sei,
Zu leiden, zu weinen,
Zu genießen und zu freuen sich
Und dein nicht zu achten,
Wie ich!
Literatur des Sturm und Drang
Viele Epochen haben eine bevorzugte Literaturgattung. Im Sturm und Drang ist das Drama das zentrale Genre der Strömung. Aber auch in den anderen Gattungen experimentierten die Stürmer und Dränger mit unterschiedlichen Formen und Elementen.
Lyrik
Die Autor*innen des Sturm und Drang verfolgten das Konzept einer freien Poetik. Mit der Erlebnislyrik rückten persönliche Erlebnisse in den Mittelpunkt literarischer Werke, die zu allgemeinen Aussagen erweitert wurden. Erlebnislyrik sollte den Eindruck erwecken, als würde der Leser oder die Leserin sie gerade erleben. Das zentrale Motiv der Erlebnislyrik ist die Natur. In ihr spiegeln sich die Empfindungen und Stimmungen des lyrischen Ichs.
Die jungen Vertreter des Sturm und Drang hielten sich nicht an Regeln oder literarische Konventionen. Deshalb waren auch ihre Gedichte nicht unbedingt durch ein festes Reimschema oder Versmaß gekennzeichnet. Häufig verwendeten sie dafür einen freien Rhythmus.
Dramatik
Das Drama war im Sturm und Drang die verbreitetste Literaturgattung. Typisch für die Dramen dieser Zeit war der tragische Held, der seinem Scheitern nur durch Selbstmord, Mord oder Selbstverstümmelung entkommen konnte.
Auch in der Dramatik forderten die Autor*innen freie Formen und pochten auf ihre künstlerische Freiheit. Das hatte zur Folge, dass viele Dramentexte nur schwer aufführbar waren. Aber auch darin lässt sich das Denken des Sturm und Drang deutlich erkennen: Nicht nur wurden gängige Techniken und Einheiten dieser Gattung abgelehnt, sondern das Genie des Dichters setzte sich sogar über das hinweg, wofür dramatische Texte eigentlich geschrieben werden: um auf der Bühne gespielt zu werden.
Epik
Mit "Die Leiden des jungen Werther" (1774) verfasste Goethe das bekannteste epische Werk der gesamten Literaturströmung. Wie bereits für die Dramatik dieser Periode typisch, steht auch in Goethes epischem Text ein Protagonist im Zentrum, der sich am Ende des Romans das Leben nimmt. Als Briefroman vermittelte diese neue Art der erzählenden Prosa Echtheit sowie die Möglichkeit, durch den Briefwechsel tief in die Gefühlswelt des Protagonisten einzutauchen. Die Stürmer und Dränger sahen in dem Briefroman einen Protest gegen die Normen und Zwänge der Gesellschaft und verstanden ihn als Rebellion gegen die Unterdrückung des Individuums. Der Freitod wurde verherrlicht als der letzte Ausweg eines nach Freiheit strebenden Ichs
Beispiele für Autoren und Texte
- Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), z.B. "Die Leiden des jungen Werther" (1774), "Willkommen und Abschied" (1771) oder "Prometheus" (1774)
- Friedrich Schiller (1759-1805), z.B. "Die Räuber" (1781) oder "Kabale und Liebe" (1784)
- Friedrich Maximilian Klinger (1752-1831): "Sturm und Drang" (1776)
- Johann Gottfried von Herder (1744-1803), z.B. "Volkslieder" (1778)
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Friedrich Maximilian Klinger war ein deutscher Dichter und Dramatiker. Sein Drama "Sturm und Drang" wurde namensgebend für die gesamte literarische Strömung der Geniezeit. In seinem Werk setzt er sich mit seiner eigenen Gefühlswelt auseinander und bekennt sich zu seinen Leidenschaften. Dies entspricht dem Ideal der Stürmer und Dränger.
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Zeitgleich zum Sturm und Drang verlief auch die Empfindsamkeit (um 1720-1800), die sich ebenfalls gegen die Ideale der Aufklärung auflehnte.